Paartherapie

Was ist Paarberatung? Was ist Paartherapie?

Menschen die zu mir in Beratung kommen, erzählen mir oft, dass sie bei der Suche nach einer professionellen Unterstützung, mit den Begriffen Paarberatung und Paartherapie konfrontiert waren. Sie fragen: „Gibt es da einen Unterschied? Wenn ja, welchen?“

Diese Fragen zu beantworten, ist Ziel des folgenden Blog-Beitrages. Im allgemeinen Sprachgebrauch ebenso wie in Beiträgen und Internet-Foren werden die Wörter Paarberatung und Paartherapie gleichbedeutend verwendet.

Paarberatung

Ich bin dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin und unser „Berufsbild“ wird wie folgt definiert.

Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist eine psychosoziale Beratungstätigkeit. Sie ist von öffentlichem Interesse und durch das Familienberatungsförderungsgesetz (BG Bl. Nr. 80/1974 in der Fassung der Bundesgesetze BGBl. Nr. 734/1988 und BGBl. I Nr. 130/1997) geregelt. Darin ist zu lesen: Im Sinne der Entwicklung und Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) fördert Ehe-, Familien- und Lebensberatung die gesunde Entwicklung und wirkt präventiv.

Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist ein Angebot für Menschen aller Altersgruppen, die Antworten auf Fragen suchen, im Alltag Überforderung erleben, sich in schwierigen Lebenssituationen und Krisen befinden, vor Entscheidungen stehen und Probleme lösen wollen. Die Beratungen finden im Rahmen von Einzel-, Paar- oder Familiengesprächen statt. Weitere Möglichkeiten sind telefonische Beratung, Onlineberatung oder Gruppenberatung.

Um die Qualität der Beratung zu sichern, sind Ehe-, Familien- und Lebensberater regelmäßig zu Supervision und Fortbildung verpflichtet.

Die Paarberatung im Sinne der Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet den professionellen Rahmen, gemeinsam mit dem Paar individuelle Lösungen für ihre Beziehungsprobleme zu finden. Vielleicht kennen Sie das auch aus Ihrer Familie, dass es bei bestimmen Themen immer zum Streit kommt. Das kann zum Beispiel die Kindererziehung, die Organisation des Haushaltes, Eifersucht, die Alkoholsucht des Partners oder eine unbefriedigende Sexualität sein.

Menschen kommen in Paarberatung, weil ihr Leidensdruck groß ist und sie so rasch wie möglich eine Lösung für ihre Schwierigkeiten finden wollen. Um dies zu verdeutlichen ist es hilfreich, zu Beginn der Beratung die Beziehung zu klären. Was ist geschehen, dass ihr gerade jetzt in Beratung kommt? Was hat der Beziehung nicht gut getan? Was funktioniert noch? In der Paarberatung besteht die Möglichkeit mit Achtsamkeit über Wünsche, Kränkungen und Erwartungen reden zu können. Es schafft aber auch den Rahmen, dass der Partner wieder zuhört.

Wenn Paare sich dafür entscheiden, mit ihren typischen Beziehungskonflikten anders umzugehen, werden sie durch die Paarberatung neue Lösungswege aus der Krise finden. In der Folge entsteht bei vielen Klienten der Wunsch herauszufinden, wie es zu den typischen Konflikten gekommen ist.

Sehr häufig kommt es zum Beispiel vor, dass die Frau „die Rolle der Dauerrednerin“ in der Beziehung inne hat. Der Mann den Part des „Dauerschweigers“ Das Paar erkennt, dass diese Rollenmuster ihre Beziehung blockieren. Und die Prägungen aus der Kindheit sich auf ihre Beziehung auswirken. Ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Typologie der Paarberatung.

Paartherapie im Rahmen der Paarberatung

Im therapeutischen Verständnis geht Paarberatung fließend in Paartherapie über, wenn begonnen wird die eigenen Themen aus der Vergangenheit zu bearbeiten.

Da Lösungen nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Vergangenheit liegen, bietet Paartherapie im Rahmen der Paarberatung die Möglichkeit einen Blick in die eigene Lebensgeschichte zu machen.

Ist das Paar motiviert, sich die auslösenden eigenen Anteile des Beziehungsproblems genauer anzusehen, wird ein neuer „Arbeitsauftrag“ besprochen und definiert. Das kann zum Beispiel das wahrnehmen von problematischen Verhaltensmustern aus der Herkunftsfamilie sein. Oder Wertvorstellungen und persönliche Erwartungen zu ändern, die einer positiven Partnerschaft im Wege stehen.

Dazu kann der erwähnte „Blick in die Vergangenheit“ Klarheit schaffen, um eine Hilfe für die Gegenwart und Zukunft zu sein. Sich selbst, den anderen und die Beziehung unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten ist eines der Ziele der Paartherapie.

Paartherapie

Werner D. Fröhlich definiert den Begriff Therapie im Wörterbuch Psychologie, auf Seite 440, wie folgt: „Bezeichnung für Interventionen zur Behandlung von somatischen bzw. psychischen und psychosomatischen Störungen, ihrer Ursachen und Symptome mit dem Ziel der Herstellung von Gesundheit und Wohlergehen.“

Die Vereinigung der österreichischer Psychotherapeuten erklärt den Begriff noch umfassender. Psychotherapie beobachtet einen Prozess. Durch dessen Beobachtung werden Defizite aber auch Ressourcen eines Patienten deutlicher. Psychotherapie hat zu leiten, zu steuern, anzuregen, dass der Patient diese Erkenntnisse gewinnt und für seine persönliche Lösung einsetzt.

Der Prozess kann nicht erzwungen werden, sondern im Gegenteil, er soll fördern, begleiten und stützen.

Die Themenbereichen der Paartherapie können vielfältig sein und unterscheiden sich von denen der Paarberatung.

Stellt sich heraus, dass chronische Paarkonflikte, seelische Verletzungen (Traumen) und Persönlichkeitsstörungen, die ein konstruktives Beziehungsleben erschweren, vorliegen, setzt Paartherapie ein. Sie bietet Paaren therapeutische Hilfe bei der Behebung ihrer Schwierigkeiten.

Fazit:

Die Begriffe Paarberatung und Paartherapie werden oft gleichbedeutend verwendet. Dennoch gibt es Unterschiede. Paarberatung geht in Paartherapie über, wenn das Paar sich mit seiner eigenen Lebensgeschichten intensiver und längerfristiger auseinandersetzen will.

Ich biete Einzelpersonen und Paaren im geschützten Rahmen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung meine Unterstützung als Paarberaterin an.

Wird im Zuge des Beratungsprozesses ein tiefergreifendes Probleme sichtbar, das eine Therapie notwendig macht, informiere ich den Klienten darüber und empfehle eine Therapie.

Für Fragen zum Thema Paarberatung und Paartherapie stehe ich gerne zur Verfügung.

Mein Buchtipp:

  • Keine Angst vor Paaren! Wie Paarberatung und Paartherapie gelingen kann – Ein Praxishandbuch; Martin Koschorke; Verlag Klett-Cotta; Stuttgart 2013.
  • Einführung in die systemische Paartherapie; Rosemarie Welter-Enderlin; Carl-Auer Verlag, Heidelberg; 2. Auflage 2010.
  • Therapie der Zweierbeziehung; Jürg Willi; Rowohlt Verlag GmbH; Reinbeck bei Hamburg; 5. Auflage Juni 2001.

Beziehungskrisen

Mein Partner ist Alkoholiker, ich halte es nicht mehr aus

In Österreich trinken 200.000 Erwachsene, regelmäßig exzessiv Alkohol. Dies ergab eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts GfK Austria, die anlässlich „des 5. interdisziplinären Symposiums zur Suchterkrankung“ am 6. und 7. März 2015 präsentiert wurde. Viele dieser 200.000 Frauen und Männer leben in Beziehungen.

Dieser Blog-Beitrag veranschaulicht die speziellen Beziehungsprobleme von Angehörigen der alkoholkranken Frauen und Männer. Ihr Leben ist von der Sucht des Partners stark beeinträchtigt. Sie fühlen sich hilflos.

Die Geschichte von Martha und Thomas soll das komplexe Thema einer solchen Beziehung veranschaulichen (die Namen sind frei erfunden).

Martha lernte Thomas vor 15 Jahren in der Firma kennen, bei einer Weihnachtsfeier. Er erzählte Witze, war lustig und trinkfreudig. Martha war von seinem Charme begeistert. Sie trafen sich danach regelmässig und nach einem Jahr heirateten die beiden.

Mit der Zeit fiel Martha auf, dass Thomas auch unter der Woche ein oder zwei Viertel zuviel trank. Das gefiel ihr nicht. Sie konnte den Geruch von Alkohol und seine Stimmungsschwankungen nicht mehr ertragen. Seine Persönlichkeit veränderte sich. Martha nahm sich vor, Thomas zu helfen. Sie ging mit ihm Laufen und Radfahren, nur um ihn vom Trinken abzuhalten.

Das klappte nicht immer, denn Thomas sah nicht ein, warum er auf seine Männerabende und sein Vergnügen, den Alkohol, verzichten sollte. Jedes Mal, wenn er betrunken heimkam und dann seinen Rausch ausschlief, weinte sie sich sich in den Schlaf.

Sie machte ihm immer mehr Vorwürfe, drohte mit Scheidung. Thomas wurde laut: „Hör auf mich zu kontrollieren. Das Leben mit dir ist nur auszuhalten, wenn ich betrunken bin.“ Martha nahm seine Anschuldigung still hin. Trotzdem rief sie im Büro an und meldete ihren durch den Alkohol arbeitsunfähigen Mann krank. Damit er seinen Arbeitsplatz behalten konnte, nahm sie ihn in Schutz.

Martha kam nervös und unausgeschlafen ins Büro. Sie konnte sich nicht auf ihre Arbeit konzentrieren. Ihr wurde zum ersten Mal bewusst, wie erschöpft sie war. Ihr Arbeitskollege fragte was passiert sei. Martha hatte zu ihrem Kollegen Vertrauen und sie begann zu erzählen. Sie will ihrem Mann helfen vom Alkohol wegzukommen. Das kostet sie viel Kraft. „Er hat jetzt eine schwierige Zeit. Er sagt, der Alkohol entspannt ihn und das wird schon wieder.“

Der Kollege konnte Martha sehr gut verstehen. Er war vor Jahren in der selben Situation mit seiner Partnerin und er schilderte, was ihm geholfen hat.

Erst durch das Gespräch begann Martha das Ausmaß ihrer Lage zu verstehen. So wie bisher wollte sie nicht mehr weitermachen. Sie begann sich zu informieren, welche Möglichkeiten Angehörigen von Alkoholkranken zur Verfügung stehen. Schließlich holte sie sich Unterstützung in Einzelberatung und kam in die Praxis.

Der Beratungsprozess

Im Beratungsprozess wurde der Klientin bewusst, dass sich ihre Gedanken nur mehr um die Sucht ihres Mannes drehten. Sie wollte ihm helfen vom Alkohol wegzukommen und richtete ihre Aufmerksamkeit immer mehr nach seinem Zustand, ist er betrunken oder nicht, aus. Die Klientin ertrug die Schuldzuweisungen und Kränkungen ihres Partners, weil sie glaubte, so ihre Beziehung retten zu können.

Bereits die ersten Beratungseinheiten verschafften der Klienten Erleichterung. Es tat ihr gut, dass sie offen über ihre Sorgen reden konnte und jemand da war, der ihr zuhörte. Durch die Gespräche wurde ihr auch bewusst, dass sie mit ihrem Problem nicht alleine war. Aus Angst vor Scham, oder anderen Konsequenzen sprechen viele Angehörige der alkoholkranken Partner nicht über ihre Beziehungskrisen.

Im Beratungsprozess erlebte die Klientin Momente, in denen sie das Gefühl hatte, nicht weiterzukommen. Die alten Verhaltensmuster waren so vertraut und die neuen Verhaltensweisen fühlten sich noch fremd an. Teil der fachlichen Unterstützung ist, die Klienten immer wieder an all die positiven Einzelheiten ihrer Entwicklung zu erinnern.

Lösung aus der eigenen Verstrickung

Eines Tages berichtete die Klientin freudestrahlend, dass sie einen Spruch gefunden hat, der für sie richtungsweisend ist.

„Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ (Reinhold Niebuhr)

Dieser Spruch war für die Klientin ein weiterer Schritt zur Lösung aus der eigenen Verstrickung.

Fazit

Die Angehörigen der alkoholkranken Frauen und Männer sind mit speziellen Beziehungsproblemen konfrontiert. Ihr Leben ist von der Sucht des Partners stark beeinträchtigt. Die oben beschriebene Geschichte gibt Einblick in diese Beziehungsdynamik.
Das Fallbeispiel zeigt, dass es durch professionelle Beratung möglich ist, sich auch innerhalb kurzer Zeit aus dieser Verstrickung zu befreien.

Mein Buchtipp:

  • Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit: Wie erwachsene Kinder von Suchtkranken Nähe zulassen können

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Lebensberatung

Die Kunst des Nein-Sagens

DAS NEIN

Das Nein
das ich endlich sagen will
ist hundertmal gedacht
still formuliert
nie ausgesprochen

Es brennt mir im Magen
nimmt mir den Atem
wird zwischen meinen Zähnen zermalmt
und verlässt
als freundliches Ja
meinen Mund.
(Peter Turrini, in ” Ein paar Schritte zurück”)

Ist Ihnen schon aufgefallen, wie oft Sie an einem Tag halbherzig „Ja“ sagen? Natürlich ist man gerne hilfsbereit und steckt seine eigenen Interessen zurück. Wenn Sie jedoch generell Schwierigkeiten mit dem Nein-Sagen haben, dann ist der folgende Blog-Beitrag als Lebensberatung genau richtig für Sie.

Nur du kannst mir helfen

Sie waren auf einem Fest, es ist spät geworden und Sie sind froh darüber, am Sonntag lange schlafen zu können. Kein Wecker wird Sie aufwecken. Und dann kam alles anders, denn um 8 Uhr läutete plötzlich Ihr Handy. Ihre Freundin ruft an: „Hallo, stell Dir vor was mir passiert ist. Ich bin verzweifelt. Die Torte für die Kinderparty ist sitzen geblieben. Dabei habe ich mich genau an das Rezept gehalten. Ich hab mir solche Mühe gegeben. Laura hat sich so auf die Biene-Maya-Torte gefreut. Ich hatte eine tolle Idee, wollte die Torte mit Cake Pops dekorieren. Was mach ich jetzt? Die Kinder kommen heute um 14 Uhr zur Sommerparty. Bitte komm sofort zu mir und back eine neue Torte für mich. Du bist die beste Köchin der Welt. Nur Du kannst mir helfen.“

Sie ärgern sich über die Störung so früh am Morgen. Das Kompliment Ihrer Freundin stimmt Sie jedoch milde. Nur mit ihrer Hilfe kann die Geburtstagsparty ein Erfolg werden.

Obwohl Sie lieber zu Hause bleiben würden, sagen Sie: „Selbstverständlich helfe ich Dir, in 30 Minuten bin ich bei Dir.“

Warum fällt es uns so schwer Nein zu sagen?

Die Beweggründe für´s Ja-Sagen sind unterschiedlich.

  • Aus Angst vor dem Verlust Ihres Arbeitsplatzes, werden Sie die zusätzlichen Arbeiten für den gekündigten Arbeitskollegen erledigen.
  • Sie wollen nicht, dass Ihre Freunde glauben, Sie seien egoistisch.
  • Sie befürchten, dass Ihr Partner sich von Ihnen trennt.
  • Sie glauben, dass Sie nicht mehr eingeladen werden.
  • Sie wissen nicht, wie Sie Ihr Nein begründen können.

Was hätte die Frau in unserer Geschichte anders machen können?

Gehen Sie auf die Bitte Ihrer Freundin ein.
Sagen Sie Ihr, dass Sie Verständnis für Ihre Situation haben.
Erklären Sie Ihr freundlich, dass Sie noch ganz verschlafen sind.
Sagen Sie Ihr, dass Sie in 15 Minuten zurückrufen werden, dann sind Sie voll konzentriert und können Ihr eine Antwort geben.

Sich Zeit zu verschaffen, sollten Sie sich generell zur Angewohnheit machen. Überlegen Sie in dieser Zeit genau, was Sie wirklich wollen. Welche Vorteile und Nachteile ein „Ja“ für Sie hat. Und welche Konsequenzen Sie bei einem „Nein“ befürchten.

Sie haben auch die Möglichkeit Ihrer Freundin einen Ausgleich anzubieten. Gehen Sie auf die Bitte ein und präsentieren Sie Ihren Vorschlag: Ich ändere all meine heutigen Pläne für dich, um dir zu helfen. Und zum Ausgleich wäre es fein, wenn Du nächste Woche am Mittwoch meine Tochter vom Kindergarten abholen würdest.

Menschen die bewusst ab und zu Nein sagen können, sind vertrauensvoll und authentisch. Ein Nein schafft Klarheit und Sicherheit. Liebevoll Nein-Sagen, heißt liebevoll „Ja“ zu sich zu sagen.

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Eltern

„Elternberatung wozu brauchen wir die?“

Silvia und Michael sind seit 15 Jahren verheiratet und haben eine 6 jährige Tochter, sie heißt Nina. Michael hat vor 10 Jahren die Tischlerei seines Vaters übernommen. Silvia ist Krankenschwester. Schon seit einigen Jahren haben beide das Gefühl nur mehr eine Wohngemeinschaft zu führen. Den Alltag organisieren sie gemeinsam. Bei der Kindererziehung sind sie einer Meinung. Die Freizeit gestaltet jeder für sich alleine. Der eine kommt, der andere geht. Das war für Silvia und Michael für eine Liebesbeziehung zu wenig. Nach langen Diskussionen beschließen sie, sich einvernehmlich scheiden zu lassen.

Beim Ausfüllen der Scheidungsformulare am Bezirksgericht werden Silvia und Michael darüber informiert, dass sie eine „Elternberatung“ (seit 2013, § 95 Abs. 1a AußStrG.) durch Vorlegen einer Bestätigung vorweisen müssen.

Gleich zu Beginn des Gespräches sagt Silvia: „Ich ärgere mich, dass ich zu einer Elternberatung kommen muss. Es sind noch so viele rechtliche Dinge vor der Scheidung zu erledigen. Die Zeit wird knapp.“

Christian stimmt nickend zu. „Ich hab schon eine Frage. Wir haben Nina noch nichts von der Scheidung erzählt. Bei diesem Punkt sind wir uns nicht einig. Ich will es ihr jetzt schon erzählen, Silvia möchte noch warten.“

„Ich möchte es ihr schonend beibringen
. Nina hat mich vor einigen Tagen gefragt, warum der Papa jetzt auf einmal auf der harten Bank schläft. Doch ich wusste nicht, was ich ihr darauf antworten soll.“ Klagt Silvia mit leiser Stimme.

Wie sagen wir es unserem Kind?

Wie sagen wir unserem Kind, dass wir uns trennen werden? Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Sind die ersten Fragen, die Eltern in der Elternberatung an mich stellen.

Kinder spüren die Veränderungen in der Familie. Sie brauchen von den Eltern ehrliche und altersgerechte Informationen. So bald wie es Vater und Mutter möglich ist. Ohne Erklärungen machen sich Kinder in ihrer Phantasie viele beängstigende Gedanken, die mit der Realität oft nichts zu tun haben.

Sprechen Sie auch mit Ihrem Kind darüber, was sich in der Zukunft nicht verändern wird.

Wie Eltern mit ihrem Kind über die Trennung reden ist sehr unterschiedlich. Es hängt auch vom Alter und der Persönlichkeit des Kindes ab. Klienten haben mir berichtet, dass sie z.B. Figuren und Schnüre benutzt haben, um ihrem Kind die Trennung von Papa und Mama besser erklären zu können. Andere wieder haben eine Geschichte zum Thema Trennung vorgelesen.

Erfahrungen aus meiner Praxis

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die gezielten Informationen im Rahmen der Elternberatung, die Kompetenzen von Vater und Mutter gestärkt haben. Oft ist es schon eine Entlastung „nur“ über die neue Lebenssituation zu berichten. Auch das gehört zur Elternberatung dazu.

Wichtig ist: Geht es den Eltern gut, geht es auch den Kindern gut!

Mein Buchtipp:

  • Glückliche Scheidungskinder: Trennungen und wie Kinder damit fertig werden; Demo H. Largo, Monika Czernin.
  • Trennung ohne Rosenkrieg: Ein psychologischer Wegweiser; 
 Gisela Hötker-Ponath.

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.

Trennung

Wir haben eine Krise – soll ich mich trennen?

Viele Paare kommen in meine Praxis, weil sie in Krisenzeiten immer wieder an Trennung denken. Die Geschichte von Karin und Christian ist vielleicht auch so ähnlich wie ihre Situation. Es begann alles so gut. Wo fingen die Unstimmigkeiten an? So wie es ist, will ich es nicht mehr. Was können wir dagegen unternehmen? Sollen wir uns trennen?

Karin und Christian

Karin und Christian kennen sich schon einige Jahre. Sie trafen sich zum ersten Mal auf einem Schulball. Christian spielte in der Schulband, er sah Karin auf der Tanzfläche und hat sich sofort in sie verliebt. Es war „Liebe auf den ersten Blick“.

Bei Karin hat es erst nach einigen Treffen mit Christian „gefunkt“. Christian war anders als die anderen Burschen. Sie hat mit ihm über alles reden können.

Karin und Christian wurden ein Paar. Sie sparten fleißig und realisierten bald den Traum einer gemeinsamen Wohnung mit Garten am Rande von Wien. Gemeinsam richteten sie die Wohnung nach ihren Vorstellungen ein. Sie knüpften in der neuen Umgebung schnell neue Kontakte. Sie wollten beide Kinder. Alles verlief nach Plan. Bald wurde Karin schwanger. Jetzt war ihr Glück komplett.

Um die finanziellen Belastungen der Wohnung zu minimieren wechselte Christian den Job. Er bekam ein höheres Gehalt, hatte mehr Verantwortung. Und musste öfter Überstunden machen.

Karin war mit dem Baby voll ausgelastet. Sie wollte es besser machen als ihre Eltern und widmete Paul, ihrem Wunschkind, all ihre Aufmerksamkeit. Sie genoss es Mutter zu sein. Oft fielen ihr schon beim Stillen um 21 Uhr die Augen zu. Erschöpft schlief sie mit dem Baby im Arm ein.

Nach der Karenz begann Karin wieder zu arbeiten, sie brauchten das Geld. Sie war stolz drauf, wie gut sie Familie und Beruf unter einen Hut brachte.

Christian merkte immer öfter, dass er nicht mehr so gerne nach Hause kam. Er fuhr noch früher zur Arbeit und am Abend verließ er als Letzter das Büro. Ab und zu ging er mit einer Arbeitskollegin auf ein Bier. Mit ihr konnte er fröhlich sein, sie verstand ihn.

Karin wurde mit sich immer unzufriedener. Sie suchte nach Auswegen. Vielleicht lag es an ihrem Aussehen? Sie hatte nach der Schwangerschaft doch sehr zugenommen. Sie begann mit einer Diät, doch nach jedem Streit gönnte sie sich wieder eine ganze Tafel Schokolade als Seelentröster.

Eines Tages stand für sie fest, dass sie so nicht mehr weiter machen wollte. Sie stellte Christian ein Ultimatum: „Entweder wir schaffen es diese Streitereien zu beenden oder wir trennen uns. Aber eines möchte ich vorher noch ausprobieren. Lass uns zu einer Eheberatung gehen. Vielleicht funktioniert das.“

Das Erstgespräch

Christian begann mit seiner Erzählung: „Ich bin nur wegen Karin hier. Eigentlich verstehe die ganze Aufregung nicht. Das wird schon wieder, da müssen wir halt durch. Mein Leben ist ja schließlich auch kein Honiglecken“.

Mit Tränen in den Augen berichtete Karin: „Alles muss ich alleine machen, den Haushalt, Paul von der Kinderkrippe holen und am Abend soll ich noch Lust auf Sex haben. Ich kann nicht mehr.“

„Das ist genau der Punkt,“ meinte Christian aufgebracht. „Wer fragt mich ob ich noch kann? Weisst du eigentlich, wie viel Stress ich derzeit in der Arbeit habe? Mit dir kann man ja nichts mehr anfangen. Vernünftig reden geht gar nicht. Du bist immer nur müde.“

„Genau so machst du es,“ rief Karin. „Immer wenn ich mit dir reden will, wirst du laut und beginnst zu streiten. Ich halt das nicht mehr aus. Ich will, dass es wieder so wird, wie es früher war.“

Beratungsprozess

Meine spezielle Beratungsarbeit besteht darin, beide auf ihrem ganz individuellen Weg zu unterstützen. Zu besprechen, was jeder für sich für Anliegen und Erwartungen an die Beziehung hat, ist Bestandteil der Paarberatung.

Am Ende ging es Karin besser: „Ich möchte wieder kommen. Ich habe schon so lange nicht mehr über meine Gefühle reden können. Ich bin erleichtert.“

Christian: „Ich bin froh, dass ich in die Paarberatung mit gegangen bin und möchte weiter machen. Heute hast du mir zugehört, das hat gut getan.“

So wie Christian und Karin geht es vielen Paaren. Sie sind kein Einzelfall.

Sie haben schon einiges versucht, und landen doch immer wieder beim selben Streitthema. Sie stehen unter großem Druck. Die Belastungen im Berufsleben und die Erwartungen an den Partner sind groß. Christian und Karin sind erschöpft. Sie haben das Gefühl in der Beziehung alles falsch gemacht zu haben. Obwohl sie ihr Bestes geben, sind sie in einem Kreis von Schuldzuweisungen und Entwertungen gefangen. Erst als Karin von Scheidung/Trennung spricht, geht Christian mit ihr in Paarberatung. Obwohl er von der Idee nicht „begeistert“ ist. Für Karin ist der Leidensdruck bereits sehr groß.

Christian und Karin holen sich professionelle Unterstützung. Das haben sie noch nie gemacht. Bereits im Erstgespräch beginnt eine positive Veränderung. Sie merken wie gut es ihnen tut. Jede Veränderung ist ein Neustart dessen Umsetzung immer unterschiedlich ist.

Karin und Christian stehen alle Möglichkeiten offen. Vielleicht entscheiden sie sich zusammen zu bleiben und sie entdecken wieder ihre Liebe zueinander. Kann sein sie trennen sich ohne Rosenkrieg. Wie auch immer: Es ist alleine ihre Entscheidung.

Im Trend: Professionelle Unterstützung ist salonfähig geworden.

Im Laufe der Sitzungen kommen Paare drauf, wie sie sich in gewissen Situation verhalten. Diese Verhaltensmuster, die ihnen und der Beziehung nicht gut getan haben, wiederholen sie immer wieder.

Durch die Paarberatung lernen sie ihnen noch unbekannte Lösungsmöglichkeiten kennen. Im Laufe des Beratungsprozesses wird besprochen, welche neuen Lösungsstrategien sie übernommen haben und wie hilfreich diese waren.

Paarberatung schafft Klarheit darüber, was früher schief gelaufen ist und was sie heute anders, besser machen können.

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.