Paartherapie

Was ist Paarberatung? Was ist Paartherapie?

Menschen die zu mir in Beratung kommen, erzählen mir oft, dass sie bei der Suche nach einer professionellen Unterstützung, mit den Begriffen Paarberatung und Paartherapie konfrontiert waren. Sie fragen: „Gibt es da einen Unterschied? Wenn ja, welchen?“

Diese Fragen zu beantworten, ist Ziel des folgenden Blog-Beitrages. Im allgemeinen Sprachgebrauch ebenso wie in Beiträgen und Internet-Foren werden die Wörter Paarberatung und Paartherapie gleichbedeutend verwendet.

Paarberatung

Ich bin dipl. Ehe-, Familien- und Lebensberaterin und unser „Berufsbild“ wird wie folgt definiert.

Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist eine psychosoziale Beratungstätigkeit. Sie ist von öffentlichem Interesse und durch das Familienberatungsförderungsgesetz (BG Bl. Nr. 80/1974 in der Fassung der Bundesgesetze BGBl. Nr. 734/1988 und BGBl. I Nr. 130/1997) geregelt. Darin ist zu lesen: Im Sinne der Entwicklung und Entstehung von Gesundheit (Salutogenese) fördert Ehe-, Familien- und Lebensberatung die gesunde Entwicklung und wirkt präventiv.

Ehe-, Familien- und Lebensberatung ist ein Angebot für Menschen aller Altersgruppen, die Antworten auf Fragen suchen, im Alltag Überforderung erleben, sich in schwierigen Lebenssituationen und Krisen befinden, vor Entscheidungen stehen und Probleme lösen wollen. Die Beratungen finden im Rahmen von Einzel-, Paar- oder Familiengesprächen statt. Weitere Möglichkeiten sind telefonische Beratung, Onlineberatung oder Gruppenberatung.

Um die Qualität der Beratung zu sichern, sind Ehe-, Familien- und Lebensberater regelmäßig zu Supervision und Fortbildung verpflichtet.

Die Paarberatung im Sinne der Ehe-, Familien- und Lebensberatung bietet den professionellen Rahmen, gemeinsam mit dem Paar individuelle Lösungen für ihre Beziehungsprobleme zu finden. Vielleicht kennen Sie das auch aus Ihrer Familie, dass es bei bestimmen Themen immer zum Streit kommt. Das kann zum Beispiel die Kindererziehung, die Organisation des Haushaltes, Eifersucht, die Alkoholsucht des Partners oder eine unbefriedigende Sexualität sein.

Menschen kommen in Paarberatung, weil ihr Leidensdruck groß ist und sie so rasch wie möglich eine Lösung für ihre Schwierigkeiten finden wollen. Um dies zu verdeutlichen ist es hilfreich, zu Beginn der Beratung die Beziehung zu klären. Was ist geschehen, dass ihr gerade jetzt in Beratung kommt? Was hat der Beziehung nicht gut getan? Was funktioniert noch? In der Paarberatung besteht die Möglichkeit mit Achtsamkeit über Wünsche, Kränkungen und Erwartungen reden zu können. Es schafft aber auch den Rahmen, dass der Partner wieder zuhört.

Wenn Paare sich dafür entscheiden, mit ihren typischen Beziehungskonflikten anders umzugehen, werden sie durch die Paarberatung neue Lösungswege aus der Krise finden. In der Folge entsteht bei vielen Klienten der Wunsch herauszufinden, wie es zu den typischen Konflikten gekommen ist.

Sehr häufig kommt es zum Beispiel vor, dass die Frau „die Rolle der Dauerrednerin“ in der Beziehung inne hat. Der Mann den Part des „Dauerschweigers“ Das Paar erkennt, dass diese Rollenmuster ihre Beziehung blockieren. Und die Prägungen aus der Kindheit sich auf ihre Beziehung auswirken. Ab diesem Zeitpunkt verändert sich die Typologie der Paarberatung.

Paartherapie im Rahmen der Paarberatung

Im therapeutischen Verständnis geht Paarberatung fließend in Paartherapie über, wenn begonnen wird die eigenen Themen aus der Vergangenheit zu bearbeiten.

Da Lösungen nicht nur in der Zukunft, sondern auch in der Vergangenheit liegen, bietet Paartherapie im Rahmen der Paarberatung die Möglichkeit einen Blick in die eigene Lebensgeschichte zu machen.

Ist das Paar motiviert, sich die auslösenden eigenen Anteile des Beziehungsproblems genauer anzusehen, wird ein neuer „Arbeitsauftrag“ besprochen und definiert. Das kann zum Beispiel das wahrnehmen von problematischen Verhaltensmustern aus der Herkunftsfamilie sein. Oder Wertvorstellungen und persönliche Erwartungen zu ändern, die einer positiven Partnerschaft im Wege stehen.

Dazu kann der erwähnte „Blick in die Vergangenheit“ Klarheit schaffen, um eine Hilfe für die Gegenwart und Zukunft zu sein. Sich selbst, den anderen und die Beziehung unter einem neuen Blickwinkel zu betrachten ist eines der Ziele der Paartherapie.

Paartherapie

Werner D. Fröhlich definiert den Begriff Therapie im Wörterbuch Psychologie, auf Seite 440, wie folgt: „Bezeichnung für Interventionen zur Behandlung von somatischen bzw. psychischen und psychosomatischen Störungen, ihrer Ursachen und Symptome mit dem Ziel der Herstellung von Gesundheit und Wohlergehen.“

Die Vereinigung der österreichischer Psychotherapeuten erklärt den Begriff noch umfassender. Psychotherapie beobachtet einen Prozess. Durch dessen Beobachtung werden Defizite aber auch Ressourcen eines Patienten deutlicher. Psychotherapie hat zu leiten, zu steuern, anzuregen, dass der Patient diese Erkenntnisse gewinnt und für seine persönliche Lösung einsetzt.

Der Prozess kann nicht erzwungen werden, sondern im Gegenteil, er soll fördern, begleiten und stützen.

Die Themenbereichen der Paartherapie können vielfältig sein und unterscheiden sich von denen der Paarberatung.

Stellt sich heraus, dass chronische Paarkonflikte, seelische Verletzungen (Traumen) und Persönlichkeitsstörungen, die ein konstruktives Beziehungsleben erschweren, vorliegen, setzt Paartherapie ein. Sie bietet Paaren therapeutische Hilfe bei der Behebung ihrer Schwierigkeiten.

Fazit:

Die Begriffe Paarberatung und Paartherapie werden oft gleichbedeutend verwendet. Dennoch gibt es Unterschiede. Paarberatung geht in Paartherapie über, wenn das Paar sich mit seiner eigenen Lebensgeschichten intensiver und längerfristiger auseinandersetzen will.

Ich biete Einzelpersonen und Paaren im geschützten Rahmen der Ehe-, Familien- und Lebensberatung meine Unterstützung als Paarberaterin an.

Wird im Zuge des Beratungsprozesses ein tiefergreifendes Probleme sichtbar, das eine Therapie notwendig macht, informiere ich den Klienten darüber und empfehle eine Therapie.

Für Fragen zum Thema Paarberatung und Paartherapie stehe ich gerne zur Verfügung.

Mein Buchtipp:

  • Keine Angst vor Paaren! Wie Paarberatung und Paartherapie gelingen kann – Ein Praxishandbuch; Martin Koschorke; Verlag Klett-Cotta; Stuttgart 2013.
  • Einführung in die systemische Paartherapie; Rosemarie Welter-Enderlin; Carl-Auer Verlag, Heidelberg; 2. Auflage 2010.
  • Therapie der Zweierbeziehung; Jürg Willi; Rowohlt Verlag GmbH; Reinbeck bei Hamburg; 5. Auflage Juni 2001.