Eltern

„Elternberatung wozu brauchen wir die?“

Silvia und Michael sind seit 15 Jahren verheiratet und haben eine 6 jährige Tochter, sie heißt Nina. Michael hat vor 10 Jahren die Tischlerei seines Vaters übernommen. Silvia ist Krankenschwester. Schon seit einigen Jahren haben beide das Gefühl nur mehr eine Wohngemeinschaft zu führen. Den Alltag organisieren sie gemeinsam. Bei der Kindererziehung sind sie einer Meinung. Die Freizeit gestaltet jeder für sich alleine. Der eine kommt, der andere geht. Das war für Silvia und Michael für eine Liebesbeziehung zu wenig. Nach langen Diskussionen beschließen sie, sich einvernehmlich scheiden zu lassen.

Beim Ausfüllen der Scheidungsformulare am Bezirksgericht werden Silvia und Michael darüber informiert, dass sie eine „Elternberatung“ (seit 2013, § 95 Abs. 1a AußStrG.) durch Vorlegen einer Bestätigung vorweisen müssen.

Gleich zu Beginn des Gespräches sagt Silvia: „Ich ärgere mich, dass ich zu einer Elternberatung kommen muss. Es sind noch so viele rechtliche Dinge vor der Scheidung zu erledigen. Die Zeit wird knapp.“

Christian stimmt nickend zu. „Ich hab schon eine Frage. Wir haben Nina noch nichts von der Scheidung erzählt. Bei diesem Punkt sind wir uns nicht einig. Ich will es ihr jetzt schon erzählen, Silvia möchte noch warten.“

„Ich möchte es ihr schonend beibringen
. Nina hat mich vor einigen Tagen gefragt, warum der Papa jetzt auf einmal auf der harten Bank schläft. Doch ich wusste nicht, was ich ihr darauf antworten soll.“ Klagt Silvia mit leiser Stimme.

Wie sagen wir es unserem Kind?

Wie sagen wir unserem Kind, dass wir uns trennen werden? Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Sind die ersten Fragen, die Eltern in der Elternberatung an mich stellen.

Kinder spüren die Veränderungen in der Familie. Sie brauchen von den Eltern ehrliche und altersgerechte Informationen. So bald wie es Vater und Mutter möglich ist. Ohne Erklärungen machen sich Kinder in ihrer Phantasie viele beängstigende Gedanken, die mit der Realität oft nichts zu tun haben.

Sprechen Sie auch mit Ihrem Kind darüber, was sich in der Zukunft nicht verändern wird.

Wie Eltern mit ihrem Kind über die Trennung reden ist sehr unterschiedlich. Es hängt auch vom Alter und der Persönlichkeit des Kindes ab. Klienten haben mir berichtet, dass sie z.B. Figuren und Schnüre benutzt haben, um ihrem Kind die Trennung von Papa und Mama besser erklären zu können. Andere wieder haben eine Geschichte zum Thema Trennung vorgelesen.

Erfahrungen aus meiner Praxis

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die gezielten Informationen im Rahmen der Elternberatung, die Kompetenzen von Vater und Mutter gestärkt haben. Oft ist es schon eine Entlastung „nur“ über die neue Lebenssituation zu berichten. Auch das gehört zur Elternberatung dazu.

Wichtig ist: Geht es den Eltern gut, geht es auch den Kindern gut!

Mein Buchtipp:

  • Glückliche Scheidungskinder: Trennungen und wie Kinder damit fertig werden; Demo H. Largo, Monika Czernin.
  • Trennung ohne Rosenkrieg: Ein psychologischer Wegweiser; 
 Gisela Hötker-Ponath.

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.