Trennung

Wir haben eine Krise – soll ich mich trennen?

Viele Paare kommen in meine Praxis, weil sie in Krisenzeiten immer wieder an Trennung denken. Die Geschichte von Karin und Christian ist vielleicht auch so ähnlich wie ihre Situation. Es begann alles so gut. Wo fingen die Unstimmigkeiten an? So wie es ist, will ich es nicht mehr. Was können wir dagegen unternehmen? Sollen wir uns trennen?

Karin und Christian

Karin und Christian kennen sich schon einige Jahre. Sie trafen sich zum ersten Mal auf einem Schulball. Christian spielte in der Schulband, er sah Karin auf der Tanzfläche und hat sich sofort in sie verliebt. Es war „Liebe auf den ersten Blick“.

Bei Karin hat es erst nach einigen Treffen mit Christian „gefunkt“. Christian war anders als die anderen Burschen. Sie hat mit ihm über alles reden können.

Karin und Christian wurden ein Paar. Sie sparten fleißig und realisierten bald den Traum einer gemeinsamen Wohnung mit Garten am Rande von Wien. Gemeinsam richteten sie die Wohnung nach ihren Vorstellungen ein. Sie knüpften in der neuen Umgebung schnell neue Kontakte. Sie wollten beide Kinder. Alles verlief nach Plan. Bald wurde Karin schwanger. Jetzt war ihr Glück komplett.

Um die finanziellen Belastungen der Wohnung zu minimieren wechselte Christian den Job. Er bekam ein höheres Gehalt, hatte mehr Verantwortung. Und musste öfter Überstunden machen.

Karin war mit dem Baby voll ausgelastet. Sie wollte es besser machen als ihre Eltern und widmete Paul, ihrem Wunschkind, all ihre Aufmerksamkeit. Sie genoss es Mutter zu sein. Oft fielen ihr schon beim Stillen um 21 Uhr die Augen zu. Erschöpft schlief sie mit dem Baby im Arm ein.

Nach der Karenz begann Karin wieder zu arbeiten, sie brauchten das Geld. Sie war stolz drauf, wie gut sie Familie und Beruf unter einen Hut brachte.

Christian merkte immer öfter, dass er nicht mehr so gerne nach Hause kam. Er fuhr noch früher zur Arbeit und am Abend verließ er als Letzter das Büro. Ab und zu ging er mit einer Arbeitskollegin auf ein Bier. Mit ihr konnte er fröhlich sein, sie verstand ihn.

Karin wurde mit sich immer unzufriedener. Sie suchte nach Auswegen. Vielleicht lag es an ihrem Aussehen? Sie hatte nach der Schwangerschaft doch sehr zugenommen. Sie begann mit einer Diät, doch nach jedem Streit gönnte sie sich wieder eine ganze Tafel Schokolade als Seelentröster.

Eines Tages stand für sie fest, dass sie so nicht mehr weiter machen wollte. Sie stellte Christian ein Ultimatum: „Entweder wir schaffen es diese Streitereien zu beenden oder wir trennen uns. Aber eines möchte ich vorher noch ausprobieren. Lass uns zu einer Eheberatung gehen. Vielleicht funktioniert das.“

Das Erstgespräch

Christian begann mit seiner Erzählung: „Ich bin nur wegen Karin hier. Eigentlich verstehe die ganze Aufregung nicht. Das wird schon wieder, da müssen wir halt durch. Mein Leben ist ja schließlich auch kein Honiglecken“.

Mit Tränen in den Augen berichtete Karin: „Alles muss ich alleine machen, den Haushalt, Paul von der Kinderkrippe holen und am Abend soll ich noch Lust auf Sex haben. Ich kann nicht mehr.“

„Das ist genau der Punkt,“ meinte Christian aufgebracht. „Wer fragt mich ob ich noch kann? Weisst du eigentlich, wie viel Stress ich derzeit in der Arbeit habe? Mit dir kann man ja nichts mehr anfangen. Vernünftig reden geht gar nicht. Du bist immer nur müde.“

„Genau so machst du es,“ rief Karin. „Immer wenn ich mit dir reden will, wirst du laut und beginnst zu streiten. Ich halt das nicht mehr aus. Ich will, dass es wieder so wird, wie es früher war.“

Beratungsprozess

Meine spezielle Beratungsarbeit besteht darin, beide auf ihrem ganz individuellen Weg zu unterstützen. Zu besprechen, was jeder für sich für Anliegen und Erwartungen an die Beziehung hat, ist Bestandteil der Paarberatung.

Am Ende ging es Karin besser: „Ich möchte wieder kommen. Ich habe schon so lange nicht mehr über meine Gefühle reden können. Ich bin erleichtert.“

Christian: „Ich bin froh, dass ich in die Paarberatung mit gegangen bin und möchte weiter machen. Heute hast du mir zugehört, das hat gut getan.“

So wie Christian und Karin geht es vielen Paaren. Sie sind kein Einzelfall.

Sie haben schon einiges versucht, und landen doch immer wieder beim selben Streitthema. Sie stehen unter großem Druck. Die Belastungen im Berufsleben und die Erwartungen an den Partner sind groß. Christian und Karin sind erschöpft. Sie haben das Gefühl in der Beziehung alles falsch gemacht zu haben. Obwohl sie ihr Bestes geben, sind sie in einem Kreis von Schuldzuweisungen und Entwertungen gefangen. Erst als Karin von Scheidung/Trennung spricht, geht Christian mit ihr in Paarberatung. Obwohl er von der Idee nicht „begeistert“ ist. Für Karin ist der Leidensdruck bereits sehr groß.

Christian und Karin holen sich professionelle Unterstützung. Das haben sie noch nie gemacht. Bereits im Erstgespräch beginnt eine positive Veränderung. Sie merken wie gut es ihnen tut. Jede Veränderung ist ein Neustart dessen Umsetzung immer unterschiedlich ist.

Karin und Christian stehen alle Möglichkeiten offen. Vielleicht entscheiden sie sich zusammen zu bleiben und sie entdecken wieder ihre Liebe zueinander. Kann sein sie trennen sich ohne Rosenkrieg. Wie auch immer: Es ist alleine ihre Entscheidung.

Im Trend: Professionelle Unterstützung ist salonfähig geworden.

Im Laufe der Sitzungen kommen Paare drauf, wie sie sich in gewissen Situation verhalten. Diese Verhaltensmuster, die ihnen und der Beziehung nicht gut getan haben, wiederholen sie immer wieder.

Durch die Paarberatung lernen sie ihnen noch unbekannte Lösungsmöglichkeiten kennen. Im Laufe des Beratungsprozesses wird besprochen, welche neuen Lösungsstrategien sie übernommen haben und wie hilfreich diese waren.

Paarberatung schafft Klarheit darüber, was früher schief gelaufen ist und was sie heute anders, besser machen können.

Anmerkung:
Alle Namen sind frei erfunden und dienen nur der Verdeutlichung. Eventuelle Ähnlichkeiten und Übereinstimmungen mit lebenden Personen sind rein zufällig.