Väter

Väter, die scheinbar unbekannten Wesen

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung.

Heraklit

Viel wird in der heutigen Zeit über neue Weltbilder und den Wandel der Vaterrolle berichtet. Vom uneingeschränkten Patriarchen mit hoher Autorität bis zum Vater der Gegenwart hat sich viel getan.

In der Zeitreise meiner Herkunftsfamilie fiel ein Opa im Krieg und der andere kam nach langer Gefangenschaft wieder nach Hause. Es wurde mir berichtet, dass in den 60er Jahren kein Mann den Kinderwagen seiner Kinder geschoben hätte. Das war in den 80er Jahren schon anders. Da haben einige Väter begonnen, mit ihren Kindern im Tragetuch spazieren zu gehen. (Und sind dafür oft belächelt worden.)

Sie fragen sich, was will ich damit sagen? Wohin führen diese Geschichten? Stimmt, dass ist das allgemeine Rollenbild. Wie schaut mein Bild über meinen Papa aus? Gute Frage.

Das Interview zu einer Buchpräsentation: Den Vater zur Welt bringen; von Hosea und Klaus Ratschiller; Verlag Molden hat den Anstoß für mich gegeben, mich wieder mit meinen Vätern zu beschäftigen.

Ich hatte zwei Väter. Einen Biologischen, der leider starb – von mir ging – als ich 1,5 Jahre alt war. Im Alter von 5 Jahren kam dann Papa in mein Leben, er blieb, obwohl er es nicht leicht hatte. (Wort ‚Vater’ lässt sich vom lateinischen Begriff ‚pater’ ableiten und bezeichnete in der römischen Antike das Oberhaupt der Familie.)

Mein Papa war für mich sehr lange ein Fremder. Als Fremder fühlte er sich sicher auch in unserer Frauenrunde (meine Mutter, Oma, viele Tanten und mit mir). Er war für mich (uns) ein Störfaktor, der nicht so tickte, wie ich wollte. Gottseidank. Er bemühte sich sehr, machte viel Sport mit mir.

Meinen Papa endlich wahrzunehmen kann ich für mich als ‚seine Geburt‘ bezeichnen. Ich entdeckte immer mehr Begebenheit mit ihm. Er kaufte mir mein erstes Eis (hatte bis dahin von meiner Mutter nur Schlagobers bekommen, FAKE EIS – schmeckte trotzdem gut). Er brachte mir das Schwimmen bei und er rettete mich aus den Fluten des Klopeiner Sees.

Natürlich hat er auch Fehler gemacht, so wie jeder andere Vater auch. Es hat mir gut getan, meinen Vater für mich zu entdecken und für ihn Platz in meinem Leben zu machen. Die Sehnsucht nach einem perfekten Vater begleitete mich bis in mein Erwachsenenalter. Durch diese Vorstellung konnte ich den realen Vater, der bei mir war, über eine sehr lange Zeit nicht erkennen.

Mein Papa konnte meine Wandlung, Veränderung nicht mehr miterleben. Er starb vor mehr als 40 Jahren.

Beratungsgespräche bieten die Möglichkeit, sich auf eine neue Begegnung mit dem Vater einzulassen.

Auch wenn er, so wie bei, mir nicht mehr am Leben ist.